Ein Beitrag von Roland Gmür
Eine Hecke für die Zukunft
Hecken spielen auf unserem Hof schon länger eine wichtige Rolle. Als wir den Betrieb übernommen haben, entstand bald die erste Heckenstruktur entlang des kleinen Baches, der an unserem Hof vorbeiführt. Es war ein logischer Schritt: Bereits vorhandene Bäume bildeten die Grundlage, die wir gezielt mit weiteren Gehölzen ergänzt haben, mit dem Ziel, das Ufer zu schützen und gleichzeitig einen wertvollen Lebensraum zu schaffen. Diese Erfahrung hat uns geprägt. Denn Hecken sind weit mehr als nur „Strukturen“ in der Landschaft. Sie verbinden ökologische, landwirtschaftliche und gestalterische Funktionen, und genau diese Verbindung wollten wir weiterdenken
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Bild: Input bei unserer ersten Hecke “Warum pflanzen wir in der Landwirtschaft Hecken?”
Die Idee, weitere Hecken zu pflanzen, bestand schon lange. Geeignete Standorte wären vorhanden gewesen, doch wie so oft im landwirtschaftlichen Alltag fehlte die Zeit, ein solches Projekt anzugehen. Durch das Studium ergab sich schliesslich die Möglichkeit, ein Projekt direkt auf dem Betrieb umzusetzen. Die Vision war klar: Landwirtschaft, Bildung und Biodiversitätsförderung miteinander zu verbinden, nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret vor Ort. So entstand die Zusammenarbeit mit einer Schulklasse der 3. Sekundarstufe aus Waldkirch.
Lernen durch Tun
Gemeinsam haben wir eine rund 150 Meter lange Hecke gepflanzt. Der Standort war ein extensiv genutztes, steiles Wiesenstück, das ohnehin schwierig zu bewirtschaften ist. Statt weiterhin gegen die Bedingungen zu arbeiten, haben wir uns entschieden, diesen Ort neu zu denken, als Lebensraum, als Struktur und als Teil einer vielfältigeren Landwirtschaft.

Bild: Auslegung der Jungpflanzen vor dem Pflanzen
Gepflanzt wurden rund 15 verschiedene einheimische Gehölzarten, darunter Schlehen, Kornelkirschen, Liguster, Rosen, Hasel, Weiden und Holunder. Diese Vielfalt ist kein Zufall: Eine diverse Hecke ist ökologisch deutlich wertvoller als eine einheitliche Pflanzung. Gleichzeitig hatten wir auch die Nutzung im Blick. Ein besonderer Fokus lag auf der Futternutzung für unsere Zwergzebus sowie auf Wildobst. Die Hecke ist also nicht nur ein ökologisches Element, sondern auch ein Teil unseres landwirtschaftlichen Systems.
Die Schüler:innen haben die gesamte Pflanzarbeit übernommen, vom Ausheben der Löcher über das Einpflanzen bis hin zum Eingiessen. Dabei ging es uns nie darum, einfach „helfende Hände“ zu haben. Im Zentrum stand das gemeinsame Lernen. Wir haben darüber gesprochen, was es bedeutet, eine solche Struktur anzulegen, wie viel Arbeit dahintersteckt und warum Vielfalt entscheidend ist. Ebenso ging es um die Funktionen von Hecken in der Landwirtschaft: als Lebensraum, als Schutz vor Wind und Erosion, als Ressource und als Beitrag zum Klimaschutz.
Bild: Voller Einsatz beim Pflanzen
Ein Moment ist besonders hängen geblieben, einige Schüler:innen meinten, sie würden lieber hier weiterarbeiten, als am Nachmittag zurück in die Schule zu gehen. Diese Motivation, dieses direkte Erleben, genau darum ging es.
Ein grosser Dank geht an dieser Stelle an Christian Spirig und seiner Klasse aus Waldkirch, vielen Dank für euer Engagement und Einsatz.
Ein Schritt in Richtung Zukunft
Für uns sind solche Projekte mehr als einzelne Aktionen. Wir möchten Landwirtschaft nicht im Stillen betreiben, sondern zeigen, was möglich ist, sensibilisieren und zum Nachdenken anregen. Dabei sehen wir uns nicht als perfekten Betrieb. Wir haben nicht auf alles eine Antwort. Aber wir versuchen, jeden Tag unser Bestes zu geben, für die Biodiversität, für unsere Tiere, für die Natur und für uns Menschen.
Die Hecke ist ein Teil dieser Entwicklung. Sie steht für eine Landwirtschaft, die sich an agrarökologischen Prinzipien orientiert: vielfältig, funktional, vernetzt, und immer auch mit einer sozialen Dimension. Die grösste Veränderung wird sich im Landschaftsbild zeigen. Wo heute noch eine offene, grüne Fläche ist, wird in den kommenden Jahren eine strukturreiche Hecke entstehen, die den Raum prägt. Gleichzeitig wird sie Tieren Unterschlupf bieten, zur Biodiversität beitragen und als Futterquelle dienen.

Bild: Auch eine Pause muss mal sein
Natürlich bedeutet das auch mehr Arbeit, insbesondere in den ersten Jahren, in denen Pflege zentral ist. Wir haben uns bewusst für diesen Mehraufwand entschieden. Im Rahmen des Studiums setzen wir uns oft mit der Zukunft unseres Ernährungssystems auseinander. Dieses Projekt ist für uns ein erster Schritt, diese Gedanken in die Praxis zu bringen, nicht länger nur diskutieren, sondern umsetzen. Ob es die richtige Entscheidung war, wird sich zeigen. Im Moment fühlt es sich richtig an.
Wir möchten diesen Weg weitergehen und sind offen für neue Ideen, Kooperationen und Initiativen. Wenn jemand eine Idee hat und einen Ort sucht, um sie umzusetzen, wir hören gerne zu.
Mit lieben Grüssen vom Zwergzebuhof
Roland, Ursi und Urs
